Storch & Co

Die Feuchtwiesen der March-Thaya-Auen bilden einen einmaligen Lebensraum für viele seltene Tierarten. Vögel, Reptilien und Urzeitkrebse sind ein Teil der vielfältigen Fauna.
Nur im Gebiet Neusiedler See - Seewinkel leben noch mehr Vogelarten als hier. Die seltenen Urzeitkrebse finden in den zeitweise überschwemmten Wiesen ein Refugium.

Porträts von Storch & Co:


Kaum einem anderen Vogel werden so viele gute Eigenschaften zugesprochen, wie Meister Adebar. Trotzdem hat auch der Weißstorch (Ciconia ciconia) wie die meisten Wiesenvögel seine liebe Not, um mit den veränderten Lebensbedingungen der letzten Jahrzehnte zurechtzukommen. Während Störche meist genügend Nistplätze auf Dächern oder Bäumen finden, kann ihnen der Mangel an Futtertieren ziemlich zusetzen - auf dem Speiseplan stehen Frösche, Mäuse und allerlei Kleingetier.

Seit jeher hat der Kiebitz (Vanellus vanellus) mit seiner kecken Federnhaube die Menschen fasziniert: Er ist ein traditioneller Frühlingsbote, der oft schon im Februar zu sehen ist. Früher ein weit verbreiteter Charaktervogel der Wiesen und Moore, kann man ihn mittlerweile auch auf Äckern finden, wo die tarnfarbenen Eier ohne großen Aufwand in eine Nestmulde gelegt werden. Auffällig ist sein namensgebender Ruf (kwitt) und die tollkühnen Balzflüge der Männchen, wenn sie auf Brautschau sind.

Der deutsche Name des Wachtelkönigs (Crex crex) ist ein wenig irreführend - denn mit Wachteln hat dieser charakteristische nächtliche Rufer wenig am Hut. Zu seiner markanten Stimme, die bei uns ab Ende April zu hören ist, passt da wohl eher der Name „Grasrätsche". Ist jedoch ein Weibchen zur Stelle, verstummt das Männchen schnell. Diese weltweit bedrohte Art ist auf manchen Wiesen der Marchauen zu finden - und auch wenn man ihn kaum zu Gesicht bekommt, ist es immer ein besonderes Erlebnis, wenn er ruft.

Der gefährdete Donaukammmolch (Triturus dobrogicus) gehört zu den Schwanzlurchen aus der Familie der Echten Salamander. Er kommt im Donautal aber auch an der March vor. Ende März machen sich die Männchen mit ihrem hohen und tief gezackten Rückenkamm auf der Suche nach einer Partnerin: Orange-rot bis dottergelb ist deren Bauchseite und mit kleinen dunklen Flecken gemustert, grau bis schwarz gefärbt ist der Kopfbereich und mit weißen Punkten übersät. Das ist sie! Die Balz kann anfangen!

„Uuh...uuh...uuh..." Lang wird es nicht mehr dauern, bis das melancholische Konzert der Rotbauchunken (Bombina bombina) dem Frühsommer seinen Rhythmus geben wird! Unverwechselbar ist sie mit ihren herzförmigen Augen, ihren auffällig strahlenden orangeroten Flecken und den kleinen, weißen Punkten auf dem Bauch. Ein Umweg über ruhige Gewässer oder Überschwemmungsflächen lohnt, um vielleicht schon die erste Unken zu entdecken! Aufgrund des Schrumpfens ihres Lebensraumes, der Au, ist die Unke stark gefährdet.

Nur kurze Zeit im Jahr sind sie zu finden: die Urzeitkrebse. Der Triops ist mit 220 Millionen Jahren die älteste Tierart der Welt. Wenn die March über die Ufer steigt, hinterlässt sie zahlreiche Kleinstgewässer in den sogenannten „Sutten", die nur wenige Wochen lang Wasser führen. Lebende Fossilien, die unverändert die Zeit der Dinosaurier überlebt haben, leben hier heute noch. Und wenn nicht der Mensch ihnen den Garaus macht - etwa durch Zuschütten ihres Lebensraumes -, werden sie auch ihn überleben. Um hundert Millionen Jahre. Locker.
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